Ein leerer Stuhl für Präsident Duque war stets dabei

Interview mit Eduin Mauricio Capaz Lectamo von der ACIN

Foto: ACIN

Eduin Mauricio Capaz Lectamo koordiniert den Menschenrechtsbereich von ACIN, der „Vereinigung Indigener Räte“ im Norden der Provinz Cauca. Seine Aufgabe sieht er als Mandat der indigenen Gemeinden: Mit seiner Arbeit trägt er dazu bei, das Leben und die Menschenrechte zu schützen, und zwar für 22 indigene Territorien, die Teil der ACIN sind.

Interview von Gerold Schmidt / Februar 2021

„Ein leerer Stuhl für Präsident Duque war stets dabei“ weiterlesen

„Wir haben genug von diesem Krieg, der nicht unserer ist“

Foto: Corporación Ensayos.

Vor zehn Jahren trat das Friedensabkommen zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung in Kraft. Frieden ist seither trotzdem nicht eingekehrt. Es gibt weiterhin bewaffnete Auseinandersetzungen, und auch die Rekrutierung von Minderjährigen und die Ermordung sozialer Führungspersönlichkeiten bleibt traurige Alltäglichkeit.

von Berta Camprubí Pàmies und npla / Mai 2026

„„Wir haben genug von diesem Krieg, der nicht unserer ist““ weiterlesen

Mutter Erde befreien

Für das Leben und die Freiheit aller Lebewesen

Eine Befreierin der Mutter Erde schneidet das monokulturell angebaute Zuckerrohr, um anschließend Lebensmittel anzubauen, 2015. Foto: Tejido de Comunicación ACIN.

Der Kampf um die Rückgewinnung des ihnen geraubten Landes war ein zentraler Motor für die Organisierung der indigenen Gemeinden im Departement Cauca. Unter dem Motto der Befreiung von Mutter Erde gaben die Nasa im Norden des Cauca diesem Kampf seit 205 einen neuen Impuls, der weit über die Wiedergewinnung von Land hinausgeht. Er richtet sich gegen die Versklavung der Natur, gegen die eigene Unfreiheit und steht für ein grundlegend anderes Verhältnis zur Natur. Für diesen Kampf müssen die Gemeinden jedoch einen hohen Preis zahlen.

von Dora Estella Muñoz Atillo / Dezember 2025

„Mutter Erde befreien“ weiterlesen

Selbstbestimmte Gesundheit

Logo des „Programa de Salud“, der Gesundheitsabteilung des CRIC – Foto: CRIC.

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

Indigenes Gesundheitswissen wird bis heute abgewertet, geraubt und zerstört. Deshalb und weil durch staatliche Vernachlässigung viele Menschen in den Gemeinden an heilbaren Krankheiten starben, begann der CRIC Ende der 1970er-Jahre, eigene Gesundheitsstrukturen aufzubauen. Im Jahr 1981 beschloss der Regionalkongress des CRIC, eine Gesundheitsabteilung zu schaffen und definierte gesundheitspolitische Grundsätze: eigene, dezentrale Gesundheitsstrukturen schaffen, indigenes Wissen und Techniken anwenden und stärken, eigene Gesundheitsfachkräfte ausbilden sowie vom Staat Anerkennung und Ressourcen dafür einfordern.

„Selbstbestimmte Gesundheit“ weiterlesen

Indigene Rechtsprechung

Zerstörung der Tatwaffe durch die Guardia Indígena – San Lorenzo Caldono, Cauca. Foto: CRIC

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

Ende September 2025 wurde im Selbstverwal­tungsgebiet San Lorenzo de Caldono, Cauca, ein 24-jähriges Gemeindemitglied, das einer bewaffneten Gruppe angehörte, von der Guardia Indígena festgenommen und der Selbstverwaltung übergeben. Kurz zuvor hatte er ein anderes Gemeindemitglied erschossen. Die Selbstverwaltung berief eine Gemeinde­versammlung ein, die wenige Tage später gemäß der Nasa-Rechtsvorschriften auf Spanisch und Nasa Yuwe durchgeführt wurde. Hier wurde betont, dass diese Tat die gesamte Gemeinde tief getroffen habe. Sie stehe für die zunehmende Rekrutierung der Jugend. Bei der Urteilsfindung gehe es daher auch darum, das Gleichgewicht im Territorio wiederherzustellen, den Schmerz zu heilen und angesichts der Politik des Todes eine Politik des Lebens zu stärken (mehr dazu). Die Gemeindeversammlung verurteilte den Täter zu 40 Jahren Haft, ordnete die Zerstörung der Tatwaffe an und beschloss Rituale zur kollektiven Heilung.

„Indigene Rechtsprechung“ weiterlesen

Selbstbestimmte Bildung

Die Klassensprecher*innen der Grundschule im Indigenen Selbstverwaltungsgebiet Pueblo Nuevo. Foto: Eliseth Peña.

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

Die im CRIC organisierten Gemeinden betreiben heute weitgehend autonom hunderte Vor-, Grund-, weiterführende und Berufsschulen, die von zehntausenden Schüler*innen besucht werden. Bereits während der Gründung des CRIC war eine an den eigenen Kulturen orientierte, selbstbestimmte Bildung ein zentrales Anliegen. So wurde 1974 die Abteilung für zweisprachige Bildung (Programa de Educación Bilingüe, PEBI–CRIC) gegründet. Sie baute jenseits des staatlichen Systems Schulen auf, in denen neben Spanisch auch in den jeweiligen indigenen Sprachen und entsprechend der eigenen Weltvorstellungen unterrichtet wurde. Auf Basis der dort gemachten Erfahrungen schuf die PEBI eine eigene Lehrer*innen-Ausbildung und entwickelte eigene pädagogische Konzepte. Da die Schulen wegen fehlender staatlicher Anerkennung von den jeweiligen Gemeinden selbst finanziert werden mussten, entstanden zunächst nur einige wenige Schulen.

„Selbstbestimmte Bildung“ weiterlesen

Madre Tierra – Mutter Erde

Das kulturelle Fühlen und Erleben der Pueblos Indígenas im Cauca

Nasa-Kinder in einer Tulpa (1) im Selbstverwaltungsgebiet San Lorenzo de Caldono, Februar 2025. Foto: Central Cooperativa Indígena del Cauca.

Welche Bedeutung hat die Madre Tierra, die Mutter Erde, in den indigenen Weltanschauungen des Departements Cauca? Welche Rolle spielt sie für die Praktiken der Spiritualität und der Bildung? Ein kleiner Einblick, wie die Pueblos Indígenas des Cauca die Welt verstehen und dabei Handeln, Fühlen und Verbundenheit im Zentrum stehen.

von Lenin Anacona Obando / Dezember 2025

„Madre Tierra – Mutter Erde“ weiterlesen

Vier Prinzipien für das Leben

Ein Gespräch über gewonnene Kämpfe, gegenwärtige Herausforderungen und Zukunftsvisionen

Nelly Valencia Yule (rechts) und Rosalba Velasco (links) beim Treffen „Erschafferinnen des Friedens“ zwischen Mapuche-Frauen aus Araucania, Chile, und indigenen Frauen des Cauca, Popayán, Mai 2024. Sie waren die zwei weiblichen Mitglieder des zehnköpfigen Obersten Rates des CRIC in der Amtsperiode 2023-25. Foto: Karina Gugú Hurtado – Proceso de Mujeres CRIC.

Nelly Valencia Yule war in der Amtsperiode Mitte 2023 bis Mitte 2025 Teil der zehnköpfigen Consejería Mayor, des Obersten Rates des CRIC. Die Nasa stammt aus dem Resguardo Peñón im Südwesten des Departements Cauca. Nachdem sie aufgrund des bewaffneten Konflikts aus dem Norden des Cauca vertrieben wurde, gelangte ihre Familie über mehrere Stationen im Jahr 2000 in dieses Selbstverwaltungsgebiet. Nelly Valencia war dort Gouverneurin, ebenso war sie Koordinatorin der Frauenabteilung des CRIC und auf lokaler, zonaler und regionaler Ebene in der Guardia Indígena aktiv.

Martin Mäusezahl und Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

„Vier Prinzipien für das Leben“ weiterlesen

Territoriale Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen

Kurzinfo

Gemeindeladen im Selbstverwaltungsgebiet San Francisco. Foto: Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

von Eliseth Libertad Peña Quistial und Martin Mäusezahl / Dezember 2025

Die im CRIC organisierten Gemeinden entwickelten zu Beginn der 2000er-Jahre das Rechtskonzept der territorialen Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen (Autoridad Territorial Económica y Ambiental, ATEA). Den Anspruch, dass die Gemeinden autonom verbindliche Regelungen in ihren Territorios setzen können, begründeten sie einerseits mit dem Derecho Mayor, einem der kolonialen und nationalstaatlichen Rechtssetzung vorgängigen höheren Recht, das sie als bereits vorher etablierte Gesellschaften innehätten. Andererseits lassen sich diese Hoheitsrechte auch aus internationalen Verträgen wie der ILO-Konvention 169 sowie aus der kolumbianischen Verfassung ableiten.

„Territoriale Hoheitsrechte in Umwelt- und Wirtschaftsfragen“ weiterlesen

„Mich schützt die Guardia Indígena“

Kurzinfo

Menschen aus den Indigenen Gemeinden und die Guardia Indígena kamen 2021 zur Unterstützung der Proteste nach Cali. Foto: Enrique Ramirez.

von Eliseth Libertad Peña Quistial / Dezember 2025

Auf die starken Proteste mehrheitlich junger und armer Menschen ab Mai 2021 reagierte die kolumbianische Regierung mit militärischer Repression. Zusätzlich griffen Zivilist*innen aus den reichen Stadtvierteln, die sich selbst als „anständige Menschen“ bezeichneten, die Demonstrationen mit Schusswaffen an. Die im →CRIC organisierten Gemeinden entschieden daher, die Protestierenden zu begleiten. Sie mobilisierten zu einer →Minga, in der 7.000 Indigene nach Cali zogen, dem Epizentrum der Proteste, unter ihnen mehrere hundert Mitglieder der →Guardia Indígena, dem unbewaffneten Selbstschutz der Gemeinden.

„„Mich schützt die Guardia Indígena““ weiterlesen